Bei der Bearbeitung Tausender Kundenfälle im Bereich Wallet-Wiederherstellung tauchen immer wieder dieselbe Handvoll Szenarien auf. Es folgt ein Überblick über die häufigsten Gründe, warum Menschen den Zugriff auf in einer Hardware-Wallet gespeichertes Krypto-Vermögen verlieren, grob geordnet nach Häufigkeit.
Die häufigsten Ursachen
Die falsche Seed-Phrase sichern
Ein überraschend häufiger Fehler: Ein Nutzer initialisiert seine Wallet mehr als einmal, notiert sich die erste erzeugte Seed-Phrase, zahlt aber Coins auf die zweite ein. Wird die Wallet später zurückgesetzt, sind die Coins mit der vorliegenden Seed-Phrase nicht wiederherstellbar. Dieses Muster zeigt sich besonders häufig bei Ledger-Nutzern.
Die Seed-Phrase verlieren und dann das Gerät löschen
Nutzer verlegen ihre Seed-Phrase, den einen wahren Backup-Schlüssel, und setzen das Gerät später trotzdem zurück oder löschen es – wodurch der Zugriff auf Gelder dauerhaft abgeschnitten wird, die mit etwas mehr Geduld vielleicht hätten erhalten werden können.
Die Seed-Phrase falsch notieren
Manche Wörter werden falsch übertragen oder in der falschen Reihenfolge notiert. Ein Wallet-Recovery-Dienst kann die korrekte Reihenfolge in nahezu all diesen Fällen rekonstruieren, doch das kostet Geld und erfordert, einem Fremden Zugriff auf die Wallet anzuvertrauen.
Phishing-Angriffe
Opfer geben ihre Seed-Phrase auf einer bösartigen Website ein, oft getarnt als angeblich erforderlicher „Sicherheitsverifizierungs“-Schritt für ihre Hardware-Wallet.
Gefälschte Support-Dienste
Betrüger, die sich als Kundensupport ausgeben und häufig über Google-Anzeigen erreicht werden, überreden Nutzer unter dem Vorwand der Fehlerbehebung dazu, ihre Seed-Phrase preiszugeben.
Schlecht konstruierte Hardware-Wallets
Manchen Hardware-Wallet-Marken sollte man überhaupt nicht vertrauen. Geräte, die auf einer Mobiltelefon-Plattform aufgebaut sind – komplett mit Touchscreen, Internetverbindung und vollständigem mobilem Betriebssystem – verdienen echte Skepsis statt Vertrauensvorschuss.
Ein rachsüchtiger Ex-Partner bei fehlender PIN
Persönliche Streitigkeiten werden zu Diebstahl, wenn jemand mit früherem Zugriff – insbesondere ein Ex-Partner – Gelder bewegt, weil nie eine PIN eingerichtet oder die Seed-Phrase offen zugänglich liegen gelassen wurde.
Tod ohne Nachlassplanung
Ohne einen dokumentierten Plan für digitale Vermögenswerte kann Kryptowährung in dem Moment, in dem der Inhaber stirbt, dauerhaft unzugänglich werden, unabhängig davon, wie viel sie wert ist.
Manipulation der Lieferkette
Selten, aber real: Ein Gerät wird vor der Lieferung abgefangen und mit einer bereits generierten Seed-Phrase sowie eingebauten bösartigen Einrichtungsanweisungen versendet.
Clipboard-Hijacking
Schadsoftware überwacht die Zwischenablage im Hintergrund und tauscht eine kopierte Wallet-Adresse unmittelbar vor dem Senden einer Transaktion gegen die eigene des Angreifers aus.
Die überwältigende Mehrheit der Verluste bei Hardware-Wallets lässt sich auf einen Nutzer- oder Prozessfehler zurückführen, nicht auf einen technischen Bruch des Geräts selbst. Das Gerät ist selten der Schwachpunkt.
Was in dieser Liste auffällig fehlt
Ein paar Risiken, die Menschen oft weit oben erwarten, sind in der Praxis selten genug, um kaum ins Gewicht zu fallen.
- Eine gehackte oder bösartig veränderte Lieferkette bei einem seriösen Hersteller: Firmware wird während der Einrichtung heruntergeladen und verifiziert, was diesen Angriff in der Praxis sehr unwahrscheinlich erfolgreich macht.
- Ein gehackter Desktop-Wallet-Client: Die Kompromittierung des PCs kompromittiert nicht das Hardware-Gerät selbst, sodass Sicherheitsverletzungen bei Desktop-Software in der Regel nicht genutzt werden können, um Gelder aus der Wallet zu stehlen.
- Bösartige Firmware: Die Build-Verifizierung der Hersteller und die Signaturprüfungen auf dem Gerät halten dieses Risiko gering, so oft es auch als Bedenken vorgebracht wird.
- Ein gestohlenes physisches Gerät: Eine korrekt gesetzte PIN hält eine gestohlene Wallet in der Regel sicher. Geräte ohne Secure Element, namentlich der Trezor One und das Model T, sind die Ausnahme, auf die es hinzuweisen gilt, und das Hinzufügen einer Passphrase ist eine sinnvolle zusätzliche Schutzebene gegen einen hinreichend versierten Angreifer. Ledger-Geräte und der Trezor Safe 3 verfügen standardmäßig über ein Secure Element.